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Zur Geschichte des Schlosses Siebeneichen bei Meißen

Die Mitglieder der Adelsfamilie von Miltitz im Land der Mark Meißen stiegen als Ministeriale in hohe Stellungen am sächsischen Hofe auf. 1186 wurde das Geschlecht derer von Miltitz erstmals urkundlich erwähnt.

Der Erbauer des Schlosses Siebeneichen, Ernst von Miltitz, lebte von 1495 bis 1555 und wurde in der Frauenkirche zu Dresden begraben. Wie auf seinem Grabstein preisend hervorgehoben wird, diente er vier sächsischen Fürsten als Berater und nahm an der Niederschlagung des Bauernaufstandes teil. Er war während seines für damalige Verhältnisse langen Lebens herzoglicher Hofmarschall, Oberhofmeister der Herzogin, Berater des Fürsten Ernst Moritz von Sachsen beim Wiederaufbau des Dresdner Schlosses, Mitglied der Säkularisationskommission, Mitbegründer der Fürstenschule St. Afra und später Oberhauptmann des sog. „Meißnischen Kreises“.

1543 erwarb er aus dem Besitztum des Meißner Zisterzienserinnen-Klosters „Zum Heiligen Kreuz“ das Dorf und Freigut Bockwen und das dazugehörige Vorwerk Siebeneichen.

Der Schlossbau Siebeneichen wird urkundlich 1553 als das „neue Schloss“ erwähnt. Dieses Jahr gilt als das Gründungsjahr des Schlosses Siebeneichen.

Der Name „Siebeneichen“ stammt höchstwahrscheinlich aus vorchristlicher Zeit, eine Zeit wechselnder germanischer und slawischer Besiedlung, und deutet mit der Siebenzahl auf eine Stätte germanischer Gerichtsbarkeit oder germanischen Kultes hin – „zu den Siebeneichen“.

Das Schloss wurde im Stil der Renaissance erbaut und blieb bis zum Umbau von 1748 eine wuchtige Vierflügelanlage mit Treppentürmen und massivem Mauerwerk, Sandsteinverzierungen an den Fenstern und Wendeltreppen im Innern, die bis heute im Hinterschloss teilweise erhalten sind.

Vermutlich nach einem Brand wurde das Schloss 1748 im Stil der Zeit in barocke Formen umgestaltet.

Die Türme wurden teilweise abgetragen und die Fassaden des Palais verloren ihre Renaissancegiebel. Die offenen Arkaden im Schlosshof vermauerte man zu Blendarkaden.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war Dietrich von Miltitz Schlossherr auf Siebeneichen.

Da sein Vater, Ernst Haubold von Miltitz, der Entdecker und Förderer Johann Gottlieb Fichtes, verstarb, als Dietrich gerade fünf Jahre alt war, wurde als Vormund der Weißenfelser Salinendirektor Erasmus von Hardenberg, der Vater von Novalis eingesetzt.

Novalis selber hat sich nachweislich mehrere Male in Siebeneichen aufgehalten.

Dietrich von Miltitz wurde historisch berühmt durch seinen Versuch, Sachsen auf die Seite der Verbündeten gegen Napoleon zu ziehen. Dietrich von Miltitz erhielt in der Zeit des Generalgouvernements durch den Fürsten Repnin-Wolkonski das Kommando der 1. Sektion, der die allgemeine Polizei unterstellt war. Er hatte sich zuerst den Rang eines preußischen Infanterieoberst erworben und war dann vom Zaren zum sächsischen Oberst ernannt worden. In dieser Eigenschaft übernahm er, als der ursprünglich dafür vorgesehene Carlowitz erkrankte, das Kommando im „Banner der freiwilligen Sachsen“.

Bemerkenswert an seinem Lebenslauf sind außerdem zum einen der gescheiterte Versuch Dietrichs, als Dreiundzwanzigjähriger General im französischen Revolutionsheer zu werden und zum anderen die Hochzeit mit der bürgerlichen Engländerin Sarah Constable, die den Park von Siebeneichen nach der Mode der Zeit im englischen Stil, die sog. „Engländerei“, anlegte. Sarah war mit Dora Stock und Minna Körner befreundet.

1880 kam Schloss Siebeneichen an Alfred von Miltitz, „Oberhofceremonienmeister“ am Dresdner Hof, der 1913 verstarb. Sein Sohn Ludwig Carl übernahm das Erbe und als er erkrankte, führte seine Frau Monica von Miltitz, eine geborene von Friesen, die Bewirtschaftung des Gutes bis zur Übernahme durch die Russen 1945.

Monica von Miltitz war Anhängerin Rudolf Steiners und hatte in der Zwischenkriegszeit den Versuch unternommen, ein anthroposophisches College auf Schloss Siebeneichen zu gründen.

Zur Werbung von Studenten unternahm sie Reisen nach Amerika. Wegen des aufkommenden Nationalsozialismus konnte sie dieses Vorhaben jedoch nicht mehr realisieren. Während der Zeit des Nationalsozialismus lebte die Familie von Miltitz zurückgezogen im Schloss Siebeneichen.

Monica von Miltitz schloss sich 1945 mit dem Bürgermeister von Freital, Arno Hennig, der wieder gegründeten SPD an. Beide waren erklärte Gegner der Vereinigung von SPD und KPD zur SED  und mussten im Sommer 1946 nach Westdeutschland fliehen.

Gemäß der Bodenreform von 1945 wurde der Landbesitz der Familie von Miltitz aufgeteilt.

1947 kam es zur Gründung eines naturkundlichen Museums auf Schloss Siebeneichen.

Danach lösten verschiedene Bildungsstätten der DDR sich als „Bewohner“ des Schlosses ab:

Kreisverwaltungsschule, Landesvolkshochschule Sachsen, Zentrale Schule für kulturelle Aufklärung, Schule für Klub- und Kulturhausleiter beim Ministerium für Kultur.

Nach der Wende bezog die Heimvolkshochschule Siebeneichen für Erwachsenenbildung im ländlichen Raum das Schloss und setzte umfangreiche Renovierungsarbeiten in Gang.

Im Jahre 1997 wurde die Verwaltung von Schloss Siebeneichen dem Kultusministeriums übertragen, das seinerseits mit der Sächsischen Akademie für Lehrerfortbildung, von 1992-1997 mit Sitz in Dresden und in zwei Außenstellen bei Chemnitz und Leipzig tätig, eine zentrale Einrichtung für Multiplikatorenfortbildung im Schloss Siebeneichen etablierte.

Die Sächsische Akademie für Lehrerfortbildung ist bestrebt, die in der Geschichte des Meißner Landes tief wurzelnde Tradition des Schlosses zu pflegen und weiter kulturell auszugestalten, das Schloss für die Bürger Meißens zu öffnen und durch kulturelle Veranstaltungen im Festsaal und in der Galerie gewachsene Beziehungen zur Öffentlichkeit Meißens und anderer interessierter Bürger Sachsens und des In- und Auslandes insgesamt fortzusetzen.

(leicht überarbeitet aus: Cordelia Howald, Akademiereferentin, Sächsische Akademie für Lehrerfortbildung, nach Werner Lippmann: Schloss und Schule Siebeneichen, überarbeitete Auflage 1983 und Alfred Leicht: „Siebeneichen und Ernst von Miltitz“, Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Meißen, Band V, Heft 2, Seiten 113-164)

Eine Sage aus der Zeit, als König Heinrich I. die Albrechtsburg in Meißen als Zwingburg erbaute, um die slawischen Stämme zu christianisieren, erzählt folgendes:

Der sorbische Edelherr Wratislaw hatte sieben Söhne. Sechs von ihnen ließ der Vater von Heinrich zu Rittern schlagen, und der Herrscher pflanzte für sie sechs Eichen. Der siebente, älteste, kämpfte gegen den König. Bis auf den jüngsten erschlug er alle seine Brüder. Dann bereute er, doch als er die sechs Eichen sah, erschlug er auch ihn und pflanzte eigenmächtig eine siebente Eiche. Von da an hieß der Ort Siebeneichen.

 





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